Sitzkissen

SitzkissenGrüne Telefonhäuschen sind ganz gruselig. Kein oder, auch kein auch. Eins insbesondere, gibt hoffentlich nur eins. Wunschtraum, vermutlich. Das eine steht vor dem Haus der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Neuntausend. Auch ganz gruselig. Klein. Aber auch das Gemeindehaus ist ja klein. Am gleichen Ort stand die schöne große Synagoge, für hundertsechzigtausend Menschen, auch. Bis zum neunten November neunzehnhundertachtunddreißig. Gegenüber stand ein Hotel, dessen Besitzer gingen auch in die Synagoge. Waren vermutlich froh, dass sie nicht so weit laufen müssen. Oder sie wohnten ganz woanders und freuten sich, im Hotel noch einen Kaffee trinken zu können. Aufs Haus, quasi. Nach dem gruseligen neunten November neunzehnhundertachtunddreißig auch nicht mehr. Denn das Hotel bekam einen neuen Besitzer. Der hätte allerdings einen längeren Weg in die Kirche gehabt. Ging sicher gar nicht in die Kirche, auch nicht zum Kaffeetrinken ins Hotel. Obwohl der ja aufs Haus gegangen wäre. Denn die Aussicht war ja gruselig. Kaffeetrinken mit Ruinenblick. Bald war dann nicht einmal mehr Kaffeetrinken, nur noch Ruinenblick. Heute blicken Einkäufer in der Hotelladenzeile zum Glück nicht mehr auf Ruinen, trinken dabei vielleicht Kaffee. Aber heute stehen dort auch Polizisten. Leider, auch. Sitzen, manchmal auch. Auf einem Sitzkissen. Im grünen Telefonhäuschen in der Berliner Fasanenstraße.

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