Touristeninformation

Da hat offenbar wer ganze Arbeit geleistet. Frei nach dem Satz „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Von Winston Churchill. Oder Joseph Goebbels. Ganz gruselig ja auch. Der Satz freilich nicht, wer auch immer ihn sagte. Der ist vermutlich sogar wahr. Wahr ist jedenfalls, dass Wien schon wieder vor Zürich rangiert. Diesmal nicht bei der angeblichen Lebensqualität, sondern der angeblichen Touristeninformation.

Touristeninformation1Die Touristeninformationen von Wien, Zürich und neun weiteren europäische Großstädten wurden um Auskünfte gebeten. Freundlich, vermutlich, aber auf Englisch. Vorgebliche Touristen baten per E-Mail um Informationen über zum Beispiel einen Besuch mit Hund oder den Versand von Prospektmaterial. Dann zogen die vorgeblichen Touristen die Stoppuhr aus der Hosentasche und maßen die Reaktionszeiten. Fanden in ihrer Hosentasche auch noch ein Maß für Qualität der Antworten und des Prospektmaterials – rein objektiv, freilich. Das funktionierte beeindruckend gut, quasi. Ein Maß für Qualität war die persönliche Anrede im Antwortschreiben. Ja auch, vermutlich. Wien gewann mit kurzer Reaktionszeit, dem „außergewöhnlich individuellen“ Beantworten der vorgeblichen Touristenanfragen, dem schnellen Verschicken der Prospekte. Beeindruckend, freilich. Die Zürcher antworteten teilweise innerhalb einer Stunde und verschickten auch Prospekte umgehend. In Barcelona wurden Anfragen individuell bearbeitet und wunderlicherweise Fragen konkret beantwortet. Bin freilich auch beeindruckt. Auch ja von Brüssel, die Anfragen vorgeblicher Touristen gar nicht beantworten. Rochen vermutlich Lunte oder haben nachgeschaut, von welcher Absenderadresse die vorgeblichen Touristen ihre E-Mails verschickten. Von der Adresse des Kraftfahrerverbandes. Wiener, freilich.

Touristeninformation2Freilich damit nicht genug, die Wiener arbeiteten noch weiter. Hart, vermutlich. Schrieben aber keine E-Mails mehr, sondern guckten auf den Internetseiten der elf Städte nach Preisen für eine Busrundfahrt und eine Nahverkehrstageskarte. Beeindruckend, nochmals, als wenn vorgebliche Touristen die Wahl hätten, wenn sie eine Stadt besuchen. Einen See ja auch, aber den hat Wien ja gar nicht. In Zürich gibt’s dafür keine Busrundfahrt, fanden die Wiener heraus. Aber die billigste Tageskarte, fanden die Wiener auch heraus. Bin auch doppelt und auch zutiefst beeindruckt. Frage mich aber, was das für ein schönes altes Tram auf Zürcher Straßen ist und warum in Österreich der Euro so viel wert sind wie die Franken. Außerdem auch, warum ein Tourist, auch ein vorgeblicher, drei Zonen fahren muss, wo er doch schon im Lokalnetz mehr als genug für einen Tag zu sehen bekommt. Einen See ja auch, aber so etwas schönes gibt’s in Wien ja nicht. Aber eine hart arbeitende Touristeninformation. Auch, offenbar.

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