Messegast

Gibt Leute, die in den ersten Märzwochen Urlaub machen. Eine Märzwoche, andere fahren zu Freunden oder Verwandten, auch eine Märzwoche. Dritte räumen das Kinderzimmer, Schlafzimmer, WG-Zimmer, oder besitzen ein Gästezimmer. Die Leute fragen nach Butter, Margarine, Mohnbrötchen, Schwarzbrot, Marmelade, Honig, harten Eiern, weichen Eiern, Kaffee, Tee. Manchmal auch nach der Morgentoilette, immer nach dem Geld, dem Haustür- und Wohnungsschlüssel. Fragen den Frühstücker auch nach der Heimat, der Wohnung, dem Beruf, der Arbeit, manchmal nach Karten. Der Messegast hat immer Karten, in den letzten Jahren übrig, auch.

Die gastfreundlichen Leute sind in den ersten Septemberwochen daheim, nicht bei Freunden oder Verwandten, zusammengerückt. Gehen durch Straßen, Fußgängerzonen, stehen vor Schaufenstern, dem Bahnhof. Fahren mit der kunststoffbeschalten U-Bahn, sitzen einander gegenüber, trostlosen Blickes. In verwaschenem, brüchig schwarzweiß bedruckten unifarbenen T-Shirt, gürtellosen Jeans in den Kniekehlen. Auch, jedenfalls. Telefonieren auch mit Freunden, ob sie eine Haltestelle früher oder später aussteigen. Den Weg zwischen jeder Haltestelle kann man laufen. Kann auch zum Stadion laufen, vom Hotel mit Wasserschaden. Vom Hotel ohne Wasserschaden nicht, das ist ausgebucht, Messegastwenn Messegäste da sind. Das Hotel mit Wasserschaden freilich auch. Der Pächter fragt schon am Abend nach dem Geld, dem Haustür- und Wohnungsschlüssel. Nach Karten freilich auch. Der Gast hat immer Karten, in den letzten Jahren übrig, keine.

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