Prellbock

PrellbockMünchner sind ja vorsichtige Leute, hängen Schilder auf, damit kein Zug, Intercityexpress vielleicht noch, mal mir nichts, dir nichts, in die Bahnhofshalle schlittert, dort Bahnreisende zerdrückt, die auf den verspäteten Fernzug warten. Der Ruf der Deutschen Bahn ist schlecht genug. Die tut aber auch alles dafür, damit es so bleibt: Ob Sie Ihren Anschlusszug in München kriegen, kann ich Ihnen noch nicht sagen. Der Intercityexpress wartet nicht auf Regionalzüge, umgekehrt schon, das ist ja die Sauerei. Wir müssen immer warten, die warten nie. Beschied ein Schaffner einer Sitznachbarin. Sie bedankte sich artig, schüttelte den Kopf und sah fortan quasi minütlich auf die Leder beriemte, weißblättrige, rechteckige Armbanduhr. Mit vergoldeten Ziffern. Zehn Minuten vor der planmäßigen Einfahrt in München rückte sie den Koffer zurecht, der neben der Sitzbank im Gang stand. Da hatte der Zug noch zehn Minuten Verspätung, Starnberg hatten wir eben rechts liegen lassen. Sie hatte weder rechts noch links etwas liegen lassen, nämlich gar nichts ausgepackt. Aus Angst vermutlich, etwas liegen zu lassen. Oder auch den Anschlusszug nicht zu erreichen. Der stand noch am Prellbock am Ende des Spaziergangs über den Münchner Bahnsteig. Dort hing das Schild.

Der Münchner Bahnhofsvorsteher hatte es sicher fix, aber schön farbig ausgedruckt, nachdem er von den Schreckensereignissen im Zürcher Hauptbahnhof gelesen hatte. Dort war Mitte August ein Interregiozug von Basel kommend beim Anhalten an den Prellbock gestossen. Freilich vollkommen unfassbar. Gab aber nur einen Ruck im Zug, lese ich, der bemitleidenswerte Prellbock hat nix mitbekommen von dem Ruck. Die Bahnreisenden ja schon, die standen ja auch schon zum Aussteigen bereit. Sie zogen sich durch den Ruck im Zug leichte Verletzungen, wie Prellungen und Schürfungen, zu. Lese ich. Durch den Ruck im Zug, wohlgemerkt. Oha. Angst, etwas, auch. Vor dem mitreisenden Ruck. Der hat sicher auch ein bequemes Generalabonnement. Konnte ja auch gleich weiterfahren, die betroffene Komposition blieb unversehrt. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn noch Noten durcheinander geflogen wären. So reiste der Ruck eventuell nichtsahnend nach München. Aber dort war der Bahnhofsvorsteher ja schon vorbereitet, quasi.

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