Zitat (23)

Es lag Frühling in der Luft. Jene weißen, unruhigen Wolken flatterten am Himmel, die nur der Mai und der Juni hat, jene weißen, selbst noch jungen und flattrigen Gesellen, die spielend über die blaue Bahn rennen, um sich plötzlich hinter hohen Bergen zu verstecken, die sich umarmen und fliehen, sich bald wie Taschentücher zerknüllen, bald in Streifen zerfasern und schließlich im Schabernack den Bergen weiße Mützen aufsetzen. Unruhe war auch oben im Wind, der die mageren, noch vom Regen feuchten Bäume so unbändig schüttelte, daß sie leise in den Gelenken krachten und tausend Tropfen von sich wegsprühten.

Jemand muss dort gewesen sein, es mit eigenen Augen oder Auge gesehen haben, um das schreiben zu können. Wie Wolken rennen, zerfasern und Schabernack mit Bergen treiben. Wie der Wind die Bäume schüttelt, sie um sich sprühen.

Oder er heißt Stefan Zweig, der „Brennendes Geheimnis“ schrieb. Er heißt vermutlich nicht nur Stefan Zweig, er war auch dort. Schrieb freilich nur am Rande über Wolken, Bäume. Das Geheimnis lodert, schwelt. In dem Kind, das erblüht. Im Frühling seines Herzens.

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