Kartendienst

Kartendienst1Den gibt’s sicher gar nicht mehr. Ein Computer, ein Mausklick, ein Projektor und eine Leinwand ersetzen ihn vermutlich. Hoffentlich wenigstens bedient von Schülern, einer genügt ja. Das war bei wandfüllenden Karten anders: Vor der Erdkundestunde nannte der Erdkundelehrer kryptische Zeichenfolgen, mit denen schöne Landkarten beschriftet waren. Sind, ja auch noch. Sind auch immer noch auf Leinwand aufgezogen, oben und unten in schwarze Rundhölzer geklemmt. Damit sie der Kartendienst besser zusammenrollen kann. Aufhängen freilich auch, so rollt sich ja die schöne Landkarte nicht selbständig wieder auf. Aufrollen gehörte nach der Erdkundestunde auch zum Kartendienst. Der Kartendienst kannte die kryptischen Kürzel, wusste auch, wo die schönen Landkarten hingen. Im Kartenraum. Auch, ob die Karten am Metallhaken am Ende des oberen schwarzen Rundholzes verschraubt oder nur mittig von einer Schleife zusammengehalten werden. Die schönen Landkarten hingen vor der Erdkundestunde an einem Kartenständer oder der neuen Tafel, die schon einen Haken für Landkarten hat. Schüler sahen auf den schönen Landkarten, wo der Rhein fließt, die gruselige innerdeutsche Grenze verläuft. Sahen freilich auch, wo München liegt, nahmen es aber nicht wahr. Nicht nur die Schüler, ich, der Kartendienst, auch nicht. Hab’s ja zum Glück nochmal gesehen, wahrgenommen auch. Nun hängt in Zürich eine Karte aus dem Erdkundeunterricht. Sie ist so alt wie ich.

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