Heimatort

Heimatort1Den haben die Schweizer erfunden. Quasi. Ist Tradition, wohl eher. Traditionell haben Schweizer einen Geburtsort und einen Heimatort. Bürgerort auch genannt, in der Enzyklopädie. Im Pass steht Heimatort, die Bundesverwaltung schreibt mehr als zweihundert Mal vom Heimatort und nur hundertdreizehn Mal von Bürgerort. Ist vermutlich Schweizerdeutsch, quasi. Heimatort ist Hochdeutsch. Oder auch umgekehrt. Wie dem auch sei, den Heimatort kann sich der Schweizer nicht aussuchen, der Heimatorte sich den Schweizer aber auch nicht. Quasi. Der Heimatort wird vererbt, von der unehelichen Mutter oder dem ehelichen Vater. Oder man verheiratet sich mit dem Heimatort. Frau freilich auch. Nur brave Inhaber eines Ausländerausweises suchen sich ihren Heimatort aus, wenn sie Schweizer werden. Ob ein Ausländerausweisinhaber mal so mir nix, dir nix einen schönen Heimatort kriegt, entscheidet freilich der Heimatort. Die dort lebenden Schweizer vielmehr, vermutlich viele mit einem ganz anderen Heimatort.

Viele Schweizer kennen ihren Heimatort gar nicht, lese ich. Schreiben ihn nur in Formulare, bei der Wohnungsbewerbung oder Hotelbuchung. Ausländerausweisinhaber sind irritiert, tragen mal fix den Geburtsort ein. Ein Fehler in der Bewerbung ist der beste Grund, sie abzulehnen. Quasi. Ist freilich Quatsch. Ausländerausweisinhaber haben ja auch keinen Betreibungsregisterauszug sondern eine Schufa-Verbraucherauskunft. Die benötigen sie für die Wohnungsbewerbung, für die Hotelbuchung freilich nicht.

Heimatort2Den Pass oder den Ausländerausweis müssen Reisende einstecken, wenn sie mit dem Heimat-Billet ihren Heimatort bereisen wollen. Am Schweizer Nationalfeiertag. Für fünfzehn Franken. Damit Schweizer einmal im Leben ihren Heimatort besucht haben. Am Nationalfeiertag, zum Beispiel. Lockangebot quasi. Freilich nicht der Heimatorte, der Schweizerischen Bundesbahnen. Die locken auch die Ausländerausweisinhaber in Heimatorte. Die Heimatorte der Schweiz. Einen beliebigen Ort an der Bahnstrecke zwischen Arth-Goldau im Kanton Schwyz und Göschenen im Kanton Uri. Zum Beispiel nach Seelisberg am Vierwaldstättersee. Am Wasser ist’s ja immer schön. Auf der Bergwiese Rütli sicher auch. Die Wiese gilt als Wiege der Schweiz. Und hat eine Hausordnung. Die Wiese ist am Schweizer Nationalfeiertag Treffpunkt auch der Rechten. Der Touristen auch, freilich, nun auch noch der Ausländerausweisinhaber. Lockangebot quasi, nur Hinfahrt. Angst.

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