Seeblick (1)

Seeblick11Der muss teuer bezahlt werden. In Zürich. Limmatblick auch, Seeblick aber teurer. Im Haus Bellevue haben Bewohner beides, zahlen freilich auch Unsummen. Die Redaktoren nicht, haben aber auch keinen Seeblick. Aus dem Büro, von der Dachterrasse schon. Dort ist’s unerträglich mittags. Wenn die Hitze auch den Seeblick genießen will, von der Dachterrasse. Dann steht sie da und reagiert nicht auf Zurufe, Bitten. Genießt den Seeblick, verleidet ihn den anderen Terrassenbesuchern. Die sind froh, zurück im gekühlten Büro zu sein. Durchs Fenster zwar keinen Seeblick mehr zu haben, aber den Regenschauer zu sehen. Das Lüftchen, das sich mit nassen Blättern abklatscht, die sich an dünnen Ästchen vor Freude fast überschlagen. Nur an den dünnen Ästchen, die Äste halten ihre Blätter fest. Dürfen nicht einmal Regentropfen fangen spielen.

Seeblick12Die Sträucher am Sitzplatz mit Seeblick fangen jeden Regentropfen, wachsen und wachsen. Bald kein Seeblick mehr auf dem Sitzplatz mit Seeblick. Auf den die Sonne erbarmungslos starrt, aber eben nicht den ganzen Tag. Am Abend spenden nette Bäume Schatten. Den Sträuchern. Dem Seebesucher ja auch. Der setzt sich gern, auch wenn die Hitze schon dort sitzt, den ganzen Tag. Fragt sich, warum Touristen und Zürcher aufgereiht wie auf der Stange auf den Bänken der Seepromenade sitzen. Hunderte Füße baumeln über dem Wasser, das nicht einmal nackte Beine kühlt. Vielleicht, weil er dort kostenlos ist, der Seeblick.

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