Tramunterbruch

Tramunterbruch1Wird freilich kein Tram unterbrochen. Gestoppt vielmehr, oder vollkommen sinnlos umgeleitet. Die schöne grüne Linie 11 fährt jetzt ab dem Bellevue die Strecke der schönen grünen Linie 8. Freilich nicht mit den schönen alten Tramwagons. Die wiegen vielleicht mehr, aber die Strecke vom Bürkliplatz über die Quaibrücke und das Bellevue zum Kunsthaus wird ja gar nicht erneuert. Ominös. Ist freilich ganz gleichgültig, fährt doch noch immer eine Linie vom Bellevue zum Klusplatz. Und eine zur Börsenstrasse, mit dem Ausblick über die Limmat. Eine schöne grüne, trotz des skandalösen Tramunterbruchs.

Tramunterbruch2Gab ja Aufschreie des Entsetzens am ersten Ferientag. Kantonsferien. Auf Hochdeutsch Ferien, diesmal auch. Aber viele Pendler hatten auch Ferien, Schweizerdeutsch, quasi. Vielleicht nicht Dreißigtausend wie an einem normalen Werktag, aber Tausende pendelten schon über den Bahnhof Stadelhofen nach Zürich. Sie fanden ihr Tram nicht mehr, ihren Bus auch nicht. Sieben Linien waren verschwunden, nahmen übers Wochenende Reissaus, quasi. Auch in die Ferien, auf der Flucht vor den Touristenmassen, auch. Die sich übers Bellevue und den grob bekiesten Stadelhoferplatz wälzen. Auf dem stehen zwar schöne alte Bäume mit dicken Stämmen, schönes grünes Gras wächst dort aber lange nicht mehr. Schwindelei der Bauherren, quasi. Genau wie die grauen Klötze am Limmatquai gar nicht grau sind. Dort stehen schöne alte Häuser, weiße, auch.

Tramunterbruch3Für die haben Pendler freilich keinen Blick auf ihrer verzweifelten Suche nach dem Tram. Nachdem sie wochen-, wenn nicht monatelang blaue Schilder, rote Hinweistafeln, schwarzweiße Zeitungsartikel und bunte Fernsehsendungen über den gruseligen Tramunterbruch ignoriert haben. Nun war plötzlich – wie der erste April jedes Jahr quasi vollkommen überraschend am ersten April stattfindet und die Redaktoren immer am einunddreißigsten März noch einen Aprilscherz suchen – der Tag des Tramunterbruchs da. Schock, schwere Not. Auch. Die Redaktoren vom „Tagi“ sahen entsetzte Gesichter, hörten die Klage: „Ich habe keine Ahnung, wo mein Tram jetzt fährt. Ich gehe jetzt zur nächsten Station und versuche es dort.“ Das Bellevue ist geschätzt gruselige dreihundert Meter entfernt. Öffnet ein Zug im Bahnhof Stadelhofen seine Türen, sind die dreihundert Meter von Pendlern bevölkert. Dreihundert Meter sind schneller gelaufen als mit dem Tram gefahren. Auch ohne Tramunterbruch.

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