Zitat (20)

Die Zeit bewahrt alles auf, doch es wird farblos, wie die ganz alten, noch auf Metallplatten fixierten Photographien. Das Licht, die Zeit verwischen auf den Platten die scharfen und typischen Schattierungen der Gesichter. Man muß das Bild hin und her drehen, denn es braucht eine bestimmte Lichtbrechung, damit man auf der blinden Platte denjenigen erkennt, dessen Merkmale das Metall einst in sich aufgenommen hatte. So verblaßt mit der Zeit jede menschliche Erinnerung. Eines Tages kommt aber von irgendwoher Licht, und man erkennt wieder das Gesicht.

Erzählt Sándor Márai in „Die Glut“. Sah vor Monaten Photographien, verblichene, verfärbte. Freilich nicht aus der Wiener Kadettenschule, sondern der Jenaer Psychologenschule. Dem verschulten Grundstudium. Die Erinnerungen ergrauen, an graue Plattenbauhochhäuser, buntes Leben darin, in der Einliegerwohnung bei Fickmeyer auch. Das grüne Paradies, grünen Botanischen Garten. Die halb eingefallene Lagerhalle mit Lieferrampe gegenüber dem Eingang. Heute steht dort der Bibliotheksklotz mit lichtdurchfluteten Lesesälen. Schönen Büchern hoffentlich auch. Bin glücklich über den Buchtipp des Freundes.

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