Einbahnstraße (2)

Einbahnstrasse1Ist freilich eine Frechheit, alt gedienten Matrosen vorzuschreiben, auf welchem Weg sie über und im Kahn laufen sollen. Nach über 20.000 Seemeilen und einem Dreivierteljahr wissen die Matrosen das ganz gut selbst. Auch nach 17 Jahren noch. Mittlerweile ist der Kahn ja außer Dienst, die Matrosen auch. Waren ja alle drei nie in Wilhelmshaven. Nun liegt der Kahn dort, also mussten die Matrosen gehorsam folgen. Ins deutsche Marinemuseum.

Eine Attraktion ist ja der Zerstörer „Mölders“. Die einzige, sagte der Hotelbesitzer. Der Mietvertrag läuft bis nächstes Jahr, aber wenn sie die „Mölders“ abschleppen, können Sie das Museum auch schließen. Könnten auch einen attraktiveren Rundgang anbieten, für Ortskundige quasi. Keine Einbahnstraße. Einbahnstrasse22Die beginnt auf dem Oberdeck am Heck. An der Steuerbordseite geht es auf einen teils 80 Zentimeter bieten Gang zum Bug. Dort fällt hauptsächlich auf, dass das Schiff nicht vor Anker liegt und – skandalöses Verhalten quasi – die Ankerkette nicht geölt ist. Vor 17 Jahren das letzte Mal. War beeindruckt. Nicht so vom Weg zurück an der Backbordseite, mehr schon von der Treppe auf die erste Ebene des Oberdecks, wo gruselige Raketen geworfen wurden. Steiler Aufstieg, mit Tauen umwickelte Handläufe verhindern das Abrutschen von Matrosenhänden, bei Sturm, Regen, Seegang. Oder allen drei auch. Senkrecht geht es bei den vorderen Aufbauten eine Etage aufwärts. Auf die Brückenebene. War dort ja nie, immer noch eine Etage höher, im Deckshaus. Leitern heute abgesperrt, senkrechte, freilich. Auf der Brücke stehen die Maschinen auf „Äußerste Kraft“. Bin beeindruckt, sind wir nie gegangen. Einbahnstrasse2AK, kurz, zudem noch rückwärts. In einer Rückblende zeigt ein Flachbildschirm dem Brückenbesucher einen Film über die erste Fahrt eines deutschen Militärschiffes ins Schwarze Meer. Nicht nach Sewastopol, wo die Schwarzmeerflotte lag. Wegen der Ausladung nach Varna. Von Sewastopol freilich kein Wort, Bild. Waren ja auch nicht dort. War ja auch nie in der OPZ (Operationszentrale), die ist die nächste Station. Nun im Schiffsinneren. Einen Niedergang weiter unten – auf Höhe des Oberdecks vielleicht 20 Meter achtern – der Speisesaal. Speiseraum eher. Tische mit Reling, festgeschweißte Drehsessel mit rotem Kunststoffpolster. Durch den Steuerbordgang weiter nach achten. Einbahnstrasse3Salutiert nur mündlich, sonst hätten Matrosen nach dem zweiten Bootsmann einen blutigen Ellenbogen. Oder auf dem Weg ins Mannschafts-WC. Vollverspiegelt, Metall, geputzt von Matrosen beim Großreinschiff. Die wohnten eine Etage darunter, auf Höhe des Wasserspiegels. Nur durch das Elferdeck führte die Einbahnstraße. Auch wenn Matrosen die Absperrung durchbrachen, ihr Deck war verschlossen, verkettet, quasi. Schade. So führte der Rundgang durch das größte Mannschaftsdeck – das Elferdeck – und an Lasten – Stauräumen – vorbei zur Treppe am Heck. An Deck hängt das blöde Einbahnstraßenschild.

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