Geisterbilder

Bin ja nicht technikfeindlich. Gibt aber Technik, die gehen zu weit: das elektronische Buch etwa. Ganz gruselig. Die Idee ist freilich gut. Kommt sicher bei einer späteren Generation an. Die keine Umzugskisten mit Büchern schleppen will. Falsch gepackte, freilich. Eine Bücherkiste soll zur Hälfte mit Füllmaterial wie Bekleidung, Kissen oder auch Schuhen gefüllt sein, damit sie tragbar bleibt. Für die Zügelitruppe, auch. Die wird nie ein elektronisches Buch zügeln. Hätte sich gefreut über eine Bücherkiste voller Packmaterial. Und dem elektronischen Buch. Leicht, beides.

Selbst Taschenbücher wiegen ja, obgleich ich gar nicht viele besitze. Die wenigen Bücher erschraken am Abend beim Anblick des elektronischen Buchs. Das der Redaktor Heim brachte. Mutmaßten, ihre Stunden seien gezählt. Menschen haben ganz gruselige Dinge mit schönen Büchern gemacht. Waren keine Menschen. Verbrannter Zweig. Kein einziges Buch weicht dem elektronischen. Das weicht. Zurück zum Hersteller, nach dem Verriss. Braucht sogar Licht von der schönen Buchklemmlampe.

Sieht dann freilich keine Geisterbilder, die nur bei Sonnenlicht. Unvorstellbar: lesen auf dem elektronischen Buch am See, im Sonnenschein. Durch die Sonnenbrille. Irritiert von den Geisterbildern, Buchstaben, die auf der Seite zuvor zu lesen waren. Lesen auf dem elektronischen Buch wohlgemerkt. Nicht in. Nochmal unvorstellbar, nicht mehr in einem Buch zu lesen, vertieft in ein Buch zu sein. Bücher brauchen keine Technik.

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2 Gedanken zu „Geisterbilder

  1. grusig, grusig, das Ding. Und immer nur eine Seite fürs rechte Auge ;-)

  2. Wäre ja fast nett von dem elektronischen Buch, nur die rechte Seite zu zeigen. Aber auch das rechte Auge liest gern mal die linke Seite. Die ist die Rückseite des Buchdeckels. Ledernen, braunen. Innen grauer Kunststoff, freilich. Die Knöpfe des elektronischen Buchs glänzen silber. Grusel. Blenden sicher beim Lesen in der Sonne. Lasse mich lieber von schönen Wörtern und Sätzen blenden, ist selten genug. Oder vom See. Er blinzelt pausenlos seinen Ufergästen lustig zu. Im Sonnenschein.

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