Sammelleidenschaft

Wenn die Plattenbosse wüssten, wie viel Geld sie nur an mir verdienen könnten. Seit Jahren, was schreibe ich, Jahrzehnten. Weiß, dass Sammeln Leiden schafft. Sie wissen es auch, ganz sicher, nicht nur vermutlich. Sind ja nicht immer Plattenbosse gewesen. Beatles- oder Stones-Fans, eventuell. Musikliebhaber. Zu ihren Zeiten gab’s kein Internet, das Entfernungen verkürzt. Zum nächsten Plattenladen, der auch Importe verkauft, Raritäten, Promos. Gab einen in Kiel, in Hamburg. Heute sind Kiel und Hamburg einen Link entfernt. Oder eine Software-Installation. Gibt Plattenbosse, die das immer noch nicht begriffen haben, mehr als zehn Jahre nach Napster.

Gibt Vinyl und CDs, die suche ich immer noch. Raritäten, die es auch nicht zu kaufen gibt. Nicht einmal die Musik darauf, schon Interpretationen oder Remixe gibt’s ja kaum bei den Internet-Musikläden. Neue Songs ja, aber die alten nicht. Dafür würden Sammler Mark, Euro oder jetzt Franken zahlen. Vermutlich wollen Plattenbosse gar kein Geld verdienen. Zehntausende verjubeln mit dem Verteufeln von Tauschbörsen. Auf den Börsen sind Downloads zu privaten Zwecken laut Schweizer Urheberrecht vom 1. Juli 2008 nicht einmal illegal. Böse Uploads freilich schon, auch zu privaten Zwecken. Daran ändert auch der jüngste Vernehmlassungsentwurf nichts. Vorsicht: Den Vernehmlassungsentwurf nicht lesen, der ist ganz gruselig. Geschrieben.

Viel geschrieben haben die deutschen Redakteure in den letzten Tagen über die MP3s beim Elektronikhändler und der Tochter des Ex-Monopolisten. Zu viel, jubiliert. Zuerst musste der angebissene Apfel wieder einmal den Hammer werfen. Damit auch Plattenbosse begreifen, dass sich kein Musikkäufer von einem Kopierschutz oder Wasserzeichen vorschreiben lässt, was er mit seinem Trommelfell tut.

Hätte meines gern das ganze Wochenende lang mit einer Singleauskopplung aus einer neuen Langspielplatte erfreut. CD-Singles führen wird schon lange nicht mehr, wurde mir beschieden. In Zürich. Da ich beim Ex-Monopolisten nicht kaufe gibt’s im Internet noch nix. Hätte so gern Franken ausgegeben, für Vinyl, Kunststoff oder Bits. Aber die Plattenbosse wollten nicht.

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