Zitat (11)

zitat11Es stand im Bücherschrank. Dem heimischen. In der Heimat. Seit Jahren, Jahrzehnten möglicherweise sogar. Das Taschenbuch aus der neuen Reihe. Des Deutschen Taschenbuch Verlags. War gar nicht so neu, 1982. Schon acht Jahre erfolgreich, hierzulande, nicht auf Schweizerdeutsch. Aber mit typisch schweizerdeutschen Wörtern, schlitteln etwa. Beschreibt der Vater des Chefredaktors die Jugend von Berni Oberholzer. In Dörfern und Anstalten im Zürcher Oberland. Seine Jugend.

„Dieses Sofa war fast ein Betstuhl. Wie oft mußte ich mit meiner Pflegemutter davor niederknien und beten.“

Schade, dass wir nicht erfahren, wie oft. Arthur Honegger fragt sich das in „Die Fertigmacher“ selbst, vermutlich. Auch. Doch dem Satz fehlt das Fragezeichen. Sein Sohn würde den Redaktor heute fragen: wie oft? Mit Fragezeichen. Oder das Wie streichen. Wie ist keine Kunst, Umgangssprache offenbar. Der Vater des Chefredaktors erzählt zu akribisch, penibel zuweilen. Als dass das er nicht wüsste, wie oft. Oft. Will er schreiben. Nicht wie.

„Er sprach nicht mehr mit ihm, und wenn es unbedingt sein mußte, dann tat er es kalt und abweisend.“

Kalt und abweisend sprechen. Nein. Kalt sein, dann frieren Menschen. Jemanden abweisen. Dann spricht man wenige, kurze Sätze. Spricht ohne sein Gegenüber anzuschauen. Dem wird kalt.

„Das Fest endete immer in der «Sonne», bei Strömen von Faßbier.“

Faßbier floss in Strömen. Bitte. Wenn’s unbedingt die Ströme sein müssen, die nirgendwo Fassbier führen, auch nicht in Bachtann. Dort fliessen gar keine Ströme, nicht einmal ein Strom. Freilich Umgangssprache. Bin ja schon still. Faßbier floss in Strömen.

„Das Bein schien zu brennen, es war, als wenn Flammen daran leckten.“

Wartete mehr als 200 Seiten auf leckende Flammen. Danke dafür, auch. Dann nur noch 13:

„Die Frau schob mir immer wieder Speck, dann Kuchen und Kaffee zu. «Iß», sagte sie.
Ich ging; die Leute standen vor der Scheune und winkten. Eine Hoffnung stieg in mir auf.“

Vier Seiten später verabschiedet ein Täfelchen Berni Oberholzer aus der Anstalt. Der Vater des Chefredaktors sich von seinen Lesern, auch.

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