Anschlusszug

Umsteigen in Frankfurt war noch nie meine Lieblingsbeschäftigung. Reiste monatlich mit dem Anschlusszug in dieses gruselige Jena, im ersten Semester. 1992. Gelb ausgeleuchtete Straßen mit Schlaglöchern, graue Häuser und Platten. Als Bürgersteige, Straßen, Parkplätze und Wohnungswände. Graue. Pinke Telefonhörer meist mit einer Schlange davor. Jenenser und Jenaer hatten Erfahrung mit Warteschlangen, zahmen, wenn sie nicht so viele Frankfurtreisende enthielten.

Gut zwei Jahre später fuhr der Anschlusszug gen Aachen. Selbstgewähltes Exil des arbeitswütigen Psychologiestudenten. Im Studententurm neben der Süßigkeitenfabrik. Nach einer Woche schmecken keine Schokolade und kein Marzipan mehr, wenn der süße Gestank am Morgen früh schon vor der Haustür steht. Printen auch nicht. Harte Lebkuchen mit Schokoladenüberzug. Werden weich an der Luft. Nach zehn Minuten. Brauchte über zehn Jahre, um das zu lernen.

Keine zehn Minuten hielt der Zug gen Aachen nochmal drei Jahre später in Frankfurt. Erzählte die Geschichte vom Lottogewinn schon. Hätte auf den Anschlusszug gern verzichtet. Angst, auch. Habe heute den Kollegen Binder. Keine Angst mehr. Heute.

anschlusszugHeute fuhr der Anschlusszug nach Zürich. Wäre auch gerne sitzen geblieben, im Zug nach München. Der war pünktlich. Respekt, Deutsch Bahn. Trotz Wintereinbruch in Deutschland. In Zürich auch. Dort waren die fünf Minuten Verspätung des Anschlusszuges aus Frankfurt wieder aufgeholt. Nix für den Angeberbildschirm.

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