Kaninchen

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Rosa Plüschtier. Darum geht’s nicht in dem Jugendbuch, das aus Schleswig kam. Gefunden beim Entrümpeln, der Wohnung mitten in der Stadt. Las das Buch vor 1987 schon mal, am Brautsee, nicht mitten in der Stadt. Im Deutsch- oder Geschichtsunterricht. Es heißt aber „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl.“ Ganz gruselig, nicht nur wegen des Namens Hitler. Aber auch.

Ein Lächeln huschte übers Gesicht beim Lesen, weil der Theaterkritiker Alfred Kerr mit seiner Familie nach Zürich, Paris und später nach London floh. Schnell floh das Lächeln wieder. Schlimme Flucht, in harten, einfachen Worten beschrieben. Kaum ein warmes Wort in der Familie. Einmal sagt Tochter Anna-Judith, es sei ihr wirklich ganz gleich wo sie sind, solange sie nur alle zusammen sind. Das waren sie, bis London. Zum Glück. Ist eine Autobiografie, erklären die Herausgeber dem Leser in den Materialien am Buchende.

Die Materialien sind freilich auch ganz gruselig. Inhaltlich auch. Aber auch die Jahrgänge. Keine Dokumentation aus den 50-er Jahren über Judenverfolgung in Deutschland. Keine. Aus Westdeutschland. Das Buch ist eine Erstauflage aus dem Jahr 1983. Einige Buchausschnitte oder Dokumente aus den 60-ern, vieles erst aus den 70-ern. Drei Veröffentlichungen im VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften in Berlin. Ost. Allein Wolfdietrich Schnurre publizierte sein Buch „Veitel und seine Freunde“ schon 1946. In Zürich. Gruselig.

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Ein Gedanke zu „Kaninchen

  1. Traurige Geschichten – die mag ich nicht. Verfolgung – des mag ich nicht. Zwangs-Exil – mag ich auch nicht.
    Schmunzeln musste ich aber schon, weil auf dem Cover gekürzte Schulausgabe steht. Was haben die Wohl wegelassen? Hitler, die Verfolgung, den Hasen, die Gewalt.
    Jetzt muß ich gerade ein Jörg Haider (der Teufel hab ihn seelig) denken. Schade auch, dass es vor 70 Jahren manche Menschen nicht selbst Auto gefahren sind. Und jetzt macht es gerade klick in meinem Kopf. Österreich ist wohl ein fruchtbares Biotop für rechte Spinner und Volksdünger haben sie auch anscheinend mehr als genug. DAS ALLES – MAG ICH AUCH NICHT.

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