Melancholie

Straßen voller Trachtträger, Reklametafeln voller Bierwerbung, Bahnhöfe voller Oktoberfest-Wegweiser. Landtagswahlplakate noch dazu, der historische Absturz droht. 50 minus x, schlechter als 1966. Oh mein Gott. Am zweiten Wies’n-Wochenende, Italiener-Wochenende, auch. Grusel.

Spazieren auf bekannten Wegen, durch die Schwanthaler Höhe, Schwabing, Sendling, Thalkirchen. Wege ins Geschäft, zu Freunden. Hundertmal gegangen, keines Blickes wert. Sind sie schon, die Wege. Manches Blickes. Bahnen mir den Weg. Am Rande stehen Menschen, Häuser, Sträucher, Blumen, Halme. Dekorieren den Weg. Dumpfe Stille übertönt Kreischen von Waggonrädern, Heulen von Martinshörnern, Passanten, die nach dem Weg fragen. Kenne jeden Weg, nach acht Jahren. Münchner gelten als auskunftsfreudige Wegweiser. Freudig ist mir nicht zumute, auf den Wegen. Grüble. Ihr befreundeten Ziele fehlt mir in Zürich. Schwere Kehle, Nässe in den Augen. Nicht nur von Sätzen, anschmiegsamen. Aber auch. Lese sie, auf sonst langen Wegen. Nun sind sie kurz. Das Wies’n-Gelärme dringt nicht ans Ohr, Gedanken schreien lauter. An euch versteckte Menschen. Auf diesem Blog.

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2 Gedanken zu „Melancholie

  1. Wer eine Heimat hat, merkt das oft erst, wenn er in die Fremde geht.

    Aber die menschliche Psyche ist erfreulicherweise (machmal auch beängstigenderweise) sehr anpassungsfähig und stellt sich auf Neues ein – nur nicht so schnell, wie wir uns das wünschen. Die Phase dazwischen hat dann viele solche melancholische Momente.

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