Langeweile

Trambahnfensterscheiben halten müde Arme. Darauf stützen sich Köpfe. In ihnen Augen, Blicke leer. Dabei gäb’s viel zu sehen an der Strecke. Stattdessen Langeweile. Am Hauptbahnhof fährt Tram 3 ein, noch warte ich auf sie. In jedem Fenster das gleiche Bild. Die Rahmen laden zum Abstützen ein. Breites Gummi, willkommen nach dem langen Tag. Auf mancher Tram 3 jubeln Fußballfans, die Arme und Köpfe strecken sich ins Fensterglas. Zürcher Müdigkeit hinter Geheimfavoriten. Oder Deutschen, auch.

Mittlerweile lese ich schon am Bahnsteig, im Wagon sowieso. Dringend. Die Tasche, meist voll, eine gute Unterlage. Marie Antoinette fährt mit mir morgens nach Osten, abends nach Westen. Die Arbeit im Rokokorahmen. Umgeben von angewinkelten Armen. Manchmal fällt kein Wort, aber besser als Zen-Jünger.

In Hurghada hatte ich Langeweile, dahin wünsche ich mich an manchem Abend zurück. Ich hab’s gehasst, das Grün, den Trog, den Strand. Für die vier Texte hat es sich gelohnt, sagte mein Bruder. Zwei davon stehen hier. Zwei sind viel schöner, das passt zu ihnen. Bitte wieder Langeweile.

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