Anderswo

Wo ist eigentlich anderswo? Da wäre ich häufig so gern. Wirklich? Autofahrten sind ganz gruselig. Ich starte nur mit dem Ziel, anderswo anzukommen. Ich fahre ewig, sitze, schnacke, pausiere, lese Kilometerzahlen auf Schildern und hoffe, sie seien bald zwei-, dann einstellig. Am Ziel sehne ich mich sofort zurück. Kein Spaß anderswo.

Der Wunsch nach anderswo ist eine Ausrede. In Aachen war Jena anderswo. Kein Kilometerzählen, kein pausieren, keine Autofahrt. Arcopal-Teller, täglich stundenlang Skript und Media Markt zur Ablenkung. Aber die alte neue Liebe zur Musik und die Studentenfeten auf der Pontstraße waren dort, wo ich war. Und schön, trotz dem Anderswo.

Anderswo kann so nah sein: In Teppiche gehüllt im Keller schlafend trennt mich eine Tür vom Anderswo. Die kleine Wohnung mit Raucherbalkon, Zimmer fürs Radl und Erinnerungen an den Wänden. Auch an anderswo. Dies ist der Ort der Sehnsucht. Schön ewig sitzen und pausieren.

Poing, Barcelona und Zürich sind auch anderswo. Ewig lange Sätze in Juan Carlos Onettis kurzem Leben, leere Blicke in katalanischen Bodegas, Erinnerung an einen Strandspaziergang, Füße im Meer, Nachrichten immer zur richtigen Zeit, Gedankenstürme im überfüllten Zug mit Raucherpause in Lindau. Lang ersehnt, die Anderswo. Dringend, insgeheim und mit Perspektive, aber nur im Dienst. Ist Leben anderswo?

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