Mit den Tags ‘Tram’ versehene Einträge
Da hat offenbar wer ganze Arbeit geleistet. Frei nach dem Satz „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Von Winston Churchill. Oder Joseph Goebbels. Ganz gruselig ja auch. Der Satz freilich nicht, wer auch immer ihn sagte. Der ist vermutlich sogar wahr. Wahr ist jedenfalls, dass Wien schon wieder vor Zürich rangiert. Diesmal nicht bei der angeblichen Lebensqualität, sondern der angeblichen Touristeninformation.
Die Touristeninformationen von Wien, Zürich und neun weiteren europäische Großstädten wurden um Auskünfte gebeten. Freundlich, vermutlich, aber auf Englisch. Vorgebliche Touristen baten per E-Mail um Informationen über zum Beispiel einen Besuch mit Hund oder den Versand von Prospektmaterial. Dann zogen die vorgeblichen Touristen die Stoppuhr aus der Hosentasche und maßen die Reaktionszeiten. Fanden in ihrer Hosentasche auch noch ein Maß für Qualität der Antworten und des Prospektmaterials – rein objektiv, freilich. Das funktionierte beeindruckend gut, quasi. (mehr…)
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Auch Bus fahren will ja gelernt sein, quasi. Abfahrtstafeln zu lesen, klar, die richtige Buslinie in die richtige Richtung zu nehmen, eh klar. Schwieriger ist das richtige Verhalten während der Busfahrt. Mit Polizeieskorte, schlimmstenfalls. Freilich nicht im Bus, die Eskorte fährt voraus. Wäre ja ganz gruselig, wenn die Damen und Herren mit den großen Lupen noch die busfahrenden Fahrgäste beäugten. Während die freilich ihre Säge aus der Tasche holen, um sich als Erinnerung eine Haltestange abzusägen, dabei die Stiefel mit Spikes und nassem schwarzen Waldboden an der Sohle auf den stoffbezogenen Sitzschalen parkierten, die Dame auf dem Sitzplatz daneben für den lieblichen Gitarrenriff um einen Stutz anhauen, freilich erst, nachdem sie ihr einen mundvoll Zigarrenrauch ins Gesicht geblasen haben. Das sähen die Damen und Herren mit den großen Lupen gar nicht gern. Der Zürcher Busfahrer ja auch nicht, deshalb klebt er in seinen Bus lustige Schilder, die den Fahrgast auf das richtige Verhalten während der Busfahrt hinweisen.
Neu sind zwei lustige Schilder. (mehr…)
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Schön, einmal wieder durchs Englische Viertel Zürichs zu fahren. Mit dem netten Tram, der Nummer fünfzehn. Sie fährt entlang an Häusern, die im neunzehnten Jahrhundert im englischen Stil erbaut wurden. Lese ich, hatte ich wohl so auch vermutet. Sehe ich freilich nicht, bin ja aber auch verwöhnt von London, den engen Häusern mit auf Putz verlegten Abflussrohren, windig verglasten Fenstern und der Souterrainwohnung unterhalb des Bürgersteigs. Trottoire auf Schweizerdeutsch, hörte ich. Entschuldigung. Lese allerdings ein Buch, sehe und höre nix. Auf der eine Minute kürzeren Fahrt durchs Englische Viertel zum Bahnhof Stadelhofen.
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Ist ja auch langweilig, es sich immer vor dem Fenster bequem zu machen. An der frischen Luft, einer Brise salzigem Seeduft. Roch das ja auch vor einem Jahr noch nicht, kenne nun eine Steigerung von seeduftenden Handtüchern: seeduftende Kopfkissen. Auf dem schlief Marie Antoinette vor einem Jahr ein um die andere Nacht, wenn Müdigkeit mich umnachtete. An frühen Tagen. Die mit der Trambahnfahrt quer durch Zürich begannen. War an der zweiten Station schon nicht mehr in Zürich, sondern mit Marie Antoinette in Paris, in Temple. Die zweite Station ist Krematorium Seefeld. Hält heute dort das Tram, bin ich zurück bei Marie Antoinette in Paris, gleichgültig, welches Buch ich lese. Aber vor Heinar Kipphardts Buch „März“ und Woody Allens Buch „Ohne Leit kein Freud“ muss ich warnen. Bin ja gutherzig und geduldig, (mehr…)
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Wird freilich kein Tram unterbrochen. Gestoppt vielmehr, oder vollkommen sinnlos umgeleitet. Die schöne grüne Linie 11 fährt jetzt ab dem Bellevue die Strecke der schönen grünen Linie 8. Freilich nicht mit den schönen alten Tramwagons. Die wiegen vielleicht mehr, aber die Strecke vom Bürkliplatz über die Quaibrücke und das Bellevue zum Kunsthaus wird ja gar nicht erneuert. Ominös. Ist freilich ganz gleichgültig, fährt doch noch immer eine Linie vom Bellevue zum Klusplatz. Und eine zur Börsenstrasse, mit dem Ausblick über die Limmat. Eine schöne grüne, trotz des skandalösen Tramunterbruchs.
Gab ja Aufschreie des Entsetzens am ersten Ferientag. Kantonsferien. Auf Hochdeutsch Ferien, diesmal auch. Aber viele Pendler hatten auch Ferien, Schweizerdeutsch, quasi. Vielleicht nicht Dreißigtausend wie an einem normalen Werktag, aber Tausende pendelten schon über den Bahnhof Stadelhofen nach Zürich. Sie fanden ihr Tram nicht mehr, ihren Bus auch nicht. Sieben Linien waren verschwunden, nahmen übers Wochenende Reissaus, quasi. Auch in die Ferien, auf der Flucht vor den Touristenmassen, auch. (mehr…)
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Traf vergangene Woche eine Dame am Flughafen. Wir hatten den gleichen Weg in die Stadt, so begleitete ich sie. Nächtens. An Bahnhöfen, sind Damen in Zürich sicher, wie in München. Freuten uns, nicht am gruseligen Hauptbahnhof aussteigen zu müssen, wo niemand zuhause ist. Der schicke Bahnhof Stadelhofen hat’s besser: Er ist kaum hundert Meter vom schönen Oberdorf entfernt. Dort ist jemand zuhause.
Erreichte gestern Nacht wieder Stadelhofen. Freilich ohne den Nachtzuschlag zu zahlen, vom Hauptbahnhof nach Stadelhofen. Wäre der erste Nachtzuschlag gewesen. Stampfte auch das erste Mal Limonen, Zimt und Zucker. In der Caipirinha-Bar an der Schifflände. In Schaffhausen, freilich. Die Zürcher wartet noch auf ihr Fest. Seit nicht ganz einem Jahr.
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Ist freilich kein General, der regelmäßig zu Besuch kommt. Auch kein Abonnement aller Schweizer Druckwerke, obwohl das dem Redaktor ja gar nicht schlecht zu Gesicht stünde. Dringend, quasi, mehr lesen über sein Gastgeberland. Nicht nur das Gezwitscher der NZZ. Schriebe der Redaktor für die NZZ, brauchte er gar kein Generalabonnement. Könnte laufen, am Seeufer entlang, in die Redaktion hinter dem Zürcher Opernhaus. So muss er gruselige Minuten mit dem Tram fahren. Sieben. Verlängert in der Sommerpause seinen Arbeitsweg künstlich: mit der Schifffahrt vom Limmatquai zum Bürkliplatz. Freilich auch mit dem Generalabonnement.
Mit dem Generalabonnement ist der Redaktor ja nicht alleine. 300.000 Schweizer haben das auch. Nur 29.000 Deutsche eine Bahncard 100. Kostet ungefähr das gleiche, in Euro freilich. Das Schweizer Streckennetz ist aber nur circa 23.500 Kilometer kurz. Das deutsche genau 33.862 Kilometer lang. Auch kurz. Nicht eingerechnet sind 115 Nahverkehre, in denen die Bahncard gilt. Neuerdings. Das Generalabonnement schon immer, für schöne Schifffahrten auch. Sogar Gondelfahrten. Für den Blick auf schönes Wasser. Oder Berge, Hügel auch. Für die Zugfahrt zum Basler Leuchtturm vorerst nicht. Schade. Wäre ein Grund gewesen, doch nach Basel zu reisen. Dort ist’s ja auch ganz gruselig. Ohne Leuchtturm, auch.
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Kaum betrete ich – ein Mal im Monat – die Bahnhofstrasse, dann schüttet es und das Tram fährt nicht. Wegen Einsturzgefahr. Freilich nicht des Trams. Des Straßenzugs zwischen Bahnhofplatz und Bahnhofbrücke. Ein Stabilisierungsstollen über der Durchmesserlinie drohte einzustürzen. Hat offenbar seine Aufgabe nicht richtig verstanden: Nicht er selbst soll einstürzen, er soll verhindern, dass die Röhre für die Durchmesserlinie einstürzt. Trotteliger Stollen, so schwierig ist das ja nun auch nicht wieder zu verstehen. Die fünf Nachbarn haben es doch auch kapiert.
Stand im Regen. Am Löwenplatz. Unter den Lautsprechern. Minuten später spazierte ein freundlicher Mitarbeiter der Zürcher Verkehrsbetriebe die Schienen entlang und verkündete jedem fragend Blickenden: Ein Tram fährt hier vorerst nicht mehr. Erst wieder ab Sihlpost. Eine Station weiter, durch den Regen, mittlerweile auch in Eile. Auf dem Weg in die Aussenquartiere.
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Bin freilich zu früh dran. Kann ja aber schon einmal werben, für Deutschland. Ein halbes Jahr vor dem Mauerfalljubiläum. Saß vor 19;5 Jahren in einer Schleswiger Turnhalle, sah ein Sportfest. Nach der Pressekonferenz gab es eine Durchsage, die nicht ins Showprogramm passte. DDR-Bürgern sei die Ausreise erlaubt worden. Die Show wurde so nie wieder gezeigt. Mit der Durchsage.
Die Durchsage tönt heute: „Klusplatz, bitte alles aussteigen“. In dem Tram hinter der Reklame. Die wirbt: „Deutschland. Einfach freundlich.“ Zu Schweizern nicht, offenbar. Ein Nationalrat schimpfte über den „hässlichen Deutschen“. Meinte auch Peer Steinbrück. Zog Vergleiche mit Leder bemäntelten Gestalten, die vor 60 Jahren durch Gassen stiefelten. Grusel. War vor 70 Jahren, Herr Nationalrat. Oder auch vor 20 Jahren. Hinter der Mauer. Zum Glück fiel sie.
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„Mind the gap between the train and the plattform.“ Mag die Ansage im Underground. In London. Oftmals ist da gar keine Lücke zwischen dem Zug und dem Bahnsteig. War früher freilich anders. Niedrige Bahnsteige, hohe Züge. Bahnsteige, die sich den Zügen nicht zu nähern trauen. Respektable Lücke. Nicht nur in London. Dann bauten Zugbauingenieure Zugtüren mit ausklappbarem Trittbrett. Dann mit ausfahrbarem. Zum Überbrücken der Lücke zwischen der Zugtür und dem Bahnsteig. Sind ja nett auch, die Zugbauingenieure.
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Der Zürcher Klusplatz ist offenbar Brennpunkt krimineller Machenschaften. Angst, etwas, auch, bei jedem Überqueren. Morgens und abends. Vor Wochen fiel ein Schuss, nun einen Raub. Wieder reisten die Männer mit den großen Lupen an, starrten auf verdächtige Zigarettenkippen, eilig das Tram besteigende Pendler. Aussteigende Redaktoren auch, die traurig gucken, weil sie nun arbeiten müssen und nicht mehr ihr Buch lesen dürfen. Nach nicht einmal zehn Minuten Fahrt.
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Und die Gewalt einer Liebe wird immer falsch bemessen, wenn man sie nur nach ihrem Anlaß wertet und nicht nach der Spannung, die ihr vorausgeht, jenem hohlen, dunkeln Raum von Enttäuschungen und Einsamkeit, die vor allen großen Ereignissen des Herzens liegt.
Schreibt freilich Stefan Zweig. Auf Seite 21. Wer sonst, wo sonst? In „Brennendes Geheimnis“. Blickte freilich auf, von Seite 21, die die Sonne beschien. Wieder einmal an der Tramstation Lochergut. Wie es dort wohl aussieht? Zu meinem Glück gibt es Sonnenbrillen, getönte. Schützen die Augen, das Auge auch. Verbergen Blicke. Muss mir angewöhnen, den Kopf nicht zu drehen beim Blicken. Verbergen die Augen vor Blicken anderer. Müssen nicht alle die Augen sehen. Beide. Genügt schon, wenn ich den Wäscheständer nicht sehen kann, tatsächlich. Immerhin hören, den Wäscheständermitbesitzer. Christbaumständermitbesitzer auch. Hörte, wie der See Wellen wuchtig gegen das Ufer warf. Kein sanftes Plätschern. Spannung im See. Vor den großen Ereignissen des Herzens. Den.
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Stadtplanzeichner haben freilich auch keinen einfachen Beruf. Müssen dicke Trambahnlinien in enge Straßen quetschen. Mehrere auch, über Brücken, schönes Wasser überbrücken. Wasser ist ja immer blau. Stimmt wohl, in dem Fall. Blaue Haltestellen mit Umsteigmöglichkeit verbergen schöne Orte, Plätze auch. In dem Fall sogar eine Kirche. Das Fraumünster steht unter dem Paradeplatz. Stimmt freilich gar nicht, unter dem Paradeplatz lagern Milliarden. Franken und Gold. Das Fraumünster hat auch einen Schatz: Die verbotenerweise fotografierten Chagall-Fenster. Sie ziehen Besucher am Wochenende an. Auch. Meine.
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