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Wollsocken

26. Dezember 2009 · Kommentar schreiben

Psychologen sagen, Menschen verschenkten Geschenkgutscheine, weil es immer schwieriger sei, persönliche Geschenke zu machen. Etwa Wollsocken. Grund sei die vermehrte Individualisierung der Gesellschaft. Die ist ja ganz gruselig, auch. Gruselig auch, dass von jedem zweiten Franken, der für ein Geschenk ausgegeben wird, ein Gutschein gekauft wird. Achthundertmillionen Franken heuer. Für gruselige Gutscheine. Individuelle zumindest hoffentlich.

Oder auch Gutscheine für die SkyMall. Der Katalog steckte in der Sitztasche eines Flugzeugs, das von einer Transportmaschine hätte eskortiert werden müssen, wenn es einen Bordverkauf gegeben hätte. Zumindest hätte einen Anhänger ziehen müssen. Gab aber gar keinen Bordverkauf. Schade, hätte gern den Laserkamm begutachtet, mit medizinischer Haarwuchsgarantie. Die dreistufige Kleintiertreppe auch. Marshmallowbazooka. Klemmgeweihe für die Autofensterscheibe. Ausrollbare Klavier. Oder auch den CD-Schank im Tutanchamun-Sarkophag. (mehr…)

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Güselsack

19. November 2009 · Kommentar schreiben

Endlich sitzt er hinter Gittern. Quasi. Unbedingt verdient ist ja die Verurteilung, wegen skrupelloser Züri-Sack-Fälschung. Ausrufezeichen. Dem skrupellosen Handel mit gefälschten Züri-Säcken vielmehr. Nichts desto trotz Ausrufezeichen. Fälschte freilich nicht selbst. Malte keine blauen Buchstaben auf graue und nicht schöne weiße Züri-Säcke, zog auch keine andersfarbig blauen Bändel durch die grauen, nicht schönen weißen Bändelschlaufen. Benutze auch keinen dünnen Kunststoff, las ich, haben die Männer mit den großen Lupen nicht so gut hingeschaut. Trotz der großen Lupen, sahen sicher andere gruselige Dinge durch die großen Lupen. Wer weiß, Sahen aber auch keine schwachen Schweißnähte, wegen denen die gefälschten Züri-Säcke leichter reißen. Der Güsel auf schöne Fliesen fällt.

Fiel freilich nicht, auf schöne Fliesen in der Küche, im Treppenhaus auch nicht. Das Güsel, Schweizerdeutsch für Abfall. Güselsäcke statt Abfallsäcke, quasi. Beutel sagt der Hochdeutsche. Tönt aber auch ulkig, wenn der Hochdeutsche Sack sagt. Beim Züri-Sack nicht ganz so ulkig, kauft die aber auch nicht jede Woche. Besaß noch einen Vorrat an Züri-Säcken, als der Betrug aufflog. (mehr…)

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Umfrage

15. November 2009 · Kommentar schreiben

Möchte gern auch einmal gefragt werden zur Attraktivität von Ländern, dem politischen Klima, der touristischen Anziehungskraft, der Lebensqualität. Gut, würde vermutlich nicht so viele repräsentative Sätze sagen. Keinen: Italien? Gibt’s das nach dem Fußballsommer zweitausendsechs überhaupt noch? Nordamerika? Gibt’s doch erst seit einem Jahr wieder. Österreich? Dort wurde jemand ganz nettes geboren, er musste aber fliehen. Das ist ganz gruselig. Belgien? Die leckersten Pommes der Welt. Dänemark? Die machen die besten Ølvæksel der Welt. UmfrageDeutschland? Hui, schwierig. In einer kleinen Stadt weht immer der Wind, in einer großen der Föhn. Der eine manchmal so stürmisch, dass ich mich dagegen lehnen kann und nicht umfalle, der andere immer schön blau. Warm auch. Schweiz? (mehr…)

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Uppsala

23. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Glaube nicht an Zufälle, irgendwie tatsächlich. Las in der Zeitung von Uppsala. Dachte Uppsala. Es gibt keine Zufälle, Glück aber schon. Zum Glück. Tatsächlichirgendwie.

Der Dom in UppsalaIn Uppsala tagte die Synode der Schwedischen Kirche. Unternahm einmal einen Ausflug nach Schweden. Fuhr freilich nie nach Uppsala, Schweden. Fuhr aber auch nie nach Tirol. Bin reich, trotzdem schon beide Orte bereist zu haben. Ging barfuß über weiches grünes Moos, beschuht über hellbraune staubige Feldwege. Blickte zum immerblauen Himmel auf, die Sonne stach ins Auge. Sie lachte einerorts, andernorts höhnte sie unbarmherzig, auf mich hernieder. Auf Wege auch, die bitte nie enden. Schöne moosige, entlang des spiegelglatten Sees, in dem Schilf wächst, getränkt. Im See, in dem die Sonne ihr Lachen probierte, (mehr…)

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Zitat (26)

12. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Wenn man allein ist, wenn man allein lebt und noch dazu im Ausland, dann achtet man übermäßig auf den Abfalleimer, denn er kann das einzige sein, mit dem man eine konstante Beziehung oder, mehr noch, eine kontinuierliche Beziehung unterhält. Jede neue, glänzende, glatte, frisch eingeweihte schwarze Plastiktüte erzeugt das Gefühl unendlicher Möglichkeiten.

Beobachtet Javier Marías in „Alle Seelen“. Wie sein Protagonist war er selbst in Oxford, beobachtete das dort vermutlich auch. Freilich eine lustige Beobachtung. (mehr…)

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Minarettverbots-Initiative

8. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Minarett1Zürich erlaubte heute das Aufhängen von Plakaten. Abstimmen müssen die Zürcher ja sowieso, ob nun mit Plakaten oder ohne. Gruselige Plakate, so gruselig, dass sie hier nicht gezeigt werden. Schon gruselig genug, dass jemand überhaupt über das Plakat schreibt. Darauf abgebildet ist eine liegende Schweizerfahne, die von unten von sieben schwarzen Minaretten durchstochen ist. Die Schweizerfahne – eine Schifffahrtsfahne genau genommen – wird halb verdeckt von der in eine Burka verhüllten Frau. Schwarze Burka, freilich. Symbolisiert die Unterdrückung der Frau im Islam, meinen die Minarettgegner. Auch. Die meinen ja auch, dass die Schweizer Ende November ihre Bundesverfassung um einen Satz ergänzen sollen: Der Bau von Minaretten ist verboten.
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Festwiese

25. September 2009 · Kommentar schreiben

Festwiese1Der Himmel hatte sich schick gemacht. Im blauen Kleid mit dezenten weißen Tupfern und einem gelben Punkt. Für die Million Münchner, Millionen Gäste Münchens ja auch. Die hatten sich freilich auch schick gemacht. Weiße Rüschen blaue Karos. Blauweiß gestreifter Hemdkragen. Für den Besuch auf der Festwiese. Die Millionen strömten aus allen Himmelsrichtungen. Blauen. Aus Hotelzimmern ja auch, die sind auch immer ganz gruselig. Acht Euro für den Blog, dreißig für dreißig. Oder auch null für null. Das neu eröffnete Hotel wirbt zurzeit mit günstigen Zimmerpreisen. Fünfundsechzig, nicht hundertfünfundfünfzig. Während der Wies’n.
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Achterbahn

28. August 2009 · Kommentar schreiben

Die kann ja auch das Leben sein. Aufwärts geht’s mit viel Schwung, oder auch mit den Rädern. Langsamen Rädern, die mühsam drehen, Widerstand überwinden, ruckeln. Den Fahrgast durchschütteln, ihm Respekt vor der Auffahrt abringen. Vor dem, was auf dem Gipfel folgt, auch. Wie im Leben, aufwärts geht’s langsam, mit großem Kräfteverschleiss, oder eben mit viel Schwung. Wie von selbst, wie auf der Achterbahn. Auf ihr geht’s nur schwungvoll aufwärts nach der Abfahrt, aus dem Kopfstand etwa. Oder auch der steilen Schussfahrt. Abwärts, nach der Auffahrt. Kann freilich nicht immer nur aufwärts gehen, auf der Achterbahn, dem Leben ja auch nicht. Auf den Gipfel verharren wäre zu schön, keine Kraft aufwänden, keine Talfahrt fürchten, kreischen, Augen weit geöffnet. Sich mit ausgestreckten Armen dem Gipfel entgegen recken. In Erinnerung an das Wohlbehagen, den schönen Ausblick über die Täler. Gleistäler, Täler des Lebens ja auch.
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Zitat (24)

25. August 2009 · Kommentar schreiben

Als sie nach Flemington kamen, hatte das Gewitter aufgehört. Die Sonne brach durch die sich auflösenden Wolken, und das nasse Land erglänzte in jäher, fast übernatürlicher Klarheit. Die Bäume hoben sich schärfer vom Himmel ab, und selbst ihre Schatten schienen tiefer in den Boden gegraben, als wären ihre dunklen, komplizierten Umrisse mit der Präzision von Skalpellen dort hineingeschnitzt worden.

Vertippte mich zwei Mal, bei schärfer und bei hineingeschnitzt. Schlimm genug, das abzutippen, aus Paul Austers „Die Musik des Zufalls“. Frage mich, warum er nicht für uns aufschreibt, was er sieht. Er sah mehr als die brechende Sonne, übernatürliche Schönheit, scharfe Bäume, (mehr…)

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Zitat (23)

12. August 2009 · Kommentar schreiben

Es lag Frühling in der Luft. Jene weißen, unruhigen Wolken flatterten am Himmel, die nur der Mai und der Juni hat, jene weißen, selbst noch jungen und flattrigen Gesellen, die spielend über die blaue Bahn rennen, um sich plötzlich hinter hohen Bergen zu verstecken, die sich umarmen und fliehen, sich bald wie Taschentücher zerknüllen, bald in Streifen zerfasern und schließlich im Schabernack den Bergen weiße Mützen aufsetzen. Unruhe war auch oben im Wind, der die mageren, noch vom Regen feuchten Bäume so unbändig schüttelte, daß sie leise in den Gelenken krachten und tausend Tropfen von sich wegsprühten.
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Züri-Sack

4. Juli 2009 · 4 Kommentare

Zueri-SackAngst in Zürich. Vor gruseligen gefälschten Züri-Säcken. War die Schlagzeile der Tageszeitungen. Die Redaktoren schrieben über Schurken, die schon Mitte April aufgeflogen waren. Reisten ein in die Schweiz aus Österreich, wurden trotz Schengen kontrolliert. Die Grenzwächter inspizierten das Reisecar, Schweizerdeutsch für Automobil. Gruselig. Das Automobil transportierte auch acht Kartons mit Züri-Säcken. 1.800 Züri-Säcken. Die Reisenden gaben zu Protokoll, die Züri-Säcke für ihren Abfall gebrauchen zu wollen. Züri-Sack lebenslang, quasi. Freilich blöde Ausrede, die freilich ein Grenzwächter nicht glaubt. Die Grenzwächter glaubten auch nicht, dass die Reisenden unbedingt Züri-Säcke importieren müssen. Gibt ja genug Züri-Säcke in schönen Zürcher Läden. Die Zürcher Männer mit den großen Lupen suchten und fanden: (mehr…)

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Zack (4)

27. Mai 2009 · 2 Kommentare

Zack41War dann ja auch wieder gut mit dem Weißwurstfrühstück. Ein Mal noch. Zack. In som Biergarten halt, meint der Digitale. Der Löwenbräukeller sei trotz ungemütlicher Umgebung irgendwie gemütlich und ausreichend prollig. Touristisch auch, allerdings mit einem großartigen Speisesaal. Mussten aber nicht drinnen essen, trinken auch nicht. Die Sonne ist ja der beliebteste Biergartenbesucher Münchens. Sie war auch im Löwenbräukeller, strahlte vom blauen Himmel. Wie in der Bierwerbung. Himmel der Bayern. Das Bayernmitglied begeisterte die knorrige, echt bayrische Servierdüse. „Sie ist gross“ [sic]. Begeisterte nicht so das Weißbier: „ist halt Franziskanerbschütti, aber geht“. Zack. Beim Nachbestellen, „zwa Waßbia“, deckt die Servierdüse dem Bayernmitglied den Mythos, dass es nach zwölf keine Weißwürste mehr gibt, schonungslos als Ammenmärchen auf. Bayerisches freilich, der bayerische süße Senf ist ja mit Meerrettich angemacht, leider unbezahlbar. Unverkäuflich, vielmehr, schade. Hätte der Neu-Zürcher in Zürich gern kredenzt.
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Brückenschlag

19. Mai 2009 · Kommentar schreiben

Brueckenschlag1Der ist ja ganz nett für mich. Schon ein paar Jahre her, 125 vermutlich demnächst. Eine Geburtstagseinladung empfing ich noch nicht, gratuliere aber auch so gern. Der Zürcher Quaibrücke beim Überqueren. Auf dem kurzen Weg zur gelbrotgrünblaulila im Luftzug stehenden Fahne über dem Bürkliplatzanleger, unweit der Bank am See. Er ist noch kalt, schleuderte Gischt auf Steine, das Ufer. Wellen brachen eine Stufe unter meinen Füßen. Während kein Boot einlief, ablegte, die Brise das Zipfelende der Fahne am Bürkliplatz stemmte.
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