Belanglose Dudelmusik dröhnt aus Lautsprechern hinter Kunststoff. Das Fernsehprogramm ist für jeden ein anderes, begrüßt es ihn doch mit Namen. Der Stuhl schräg am Schreibtisch lädt zum Sitzen ein, der Block mit Stift darauf zum Schreiben. Alles heißt: Willkommen!
Der erste Tastendruck ist rot. Stille. Endlich. Der Stuhl trägt statt der Schultern das Gepäck, die sind müde von der Reise. Im Flieger, der Bahn, im Auto, überall sitzen, nicht schon wieder. Zeit zum Schreiben war unterwegs genug. Die Taschen leeren, die Reise ist vorbei. Ticket, Portemonnaie, Haustürschlüssel, Feuer, Zigaretten und Zimmerkarte verdrängen Block plus Stift vom Schreibtisch. Angekommen. Zwei Betten, Klimaanlage, Wandschrank, schnell weg hier, es drückt. Wasser in Gesicht und Händen spült die Anstrengung weg. Wenn die Hemden auf der Stange hängen und die Tür ins Schloss fällt, bin ich frei. Entkommen aus dem Gefängnis Hotelzimmer.




4 Antworten bis hierher ↓
Ulrich // 4. Mai 2008 um 12:58
Zu Hause ist es doch am schönsten…
Bestnoten « oder auch // 10. März 2009 um 23:55
[...] vielen. Zu viel Grün auch. Das Armband, die Beete. Morgens gesprengt, bevor die Gefängnisinsassen erwachen. Sand gewalzt, mit dem Kärcher von den beigen Mauern gewaschen. An der [...]
Geburtstag (1) « oder auch // 30. April 2009 um 00:10
[...] mich mal aus mit Augenlaser. Lasen fünf Augen, Gefängnis und grün nur drei. Oder auch fünf. Stadtplan lasen mehr Augen, ist der einzige Eintrag, den heute [...]
Zitat (22) « oder auch // 21. Juli 2009 um 11:58
[...] Schön auch, das aus einer so noblen Feder zu lesen. Getippt auf einer nobelgepriesenen Schreibmaschine, vermutlich. Davor saß Gabriel García Márquez und tippte “Die Liebe in Zeiten der Cholera”. Beschrieb unser nettes Gedächtnis. Das ist ja ganz gut eingerichtet: Es erinnert die schönen Szenen, vergisst die hässlichen. Das klappt ganz gut. Trotz des Gefängnisses. [...]