Grusel in der Ritterburg. Das Gespenst rasselt wohl leider nicht mit der aufgemalten Kette. Trotzdem Angst, auch, etwas. Spielkindern wird hier in jungen Jahren schon das Fürchten gelehrt. Im Schaufenster in der Zürcher Oberdorfstrasse.
In der Spiegelgasse im Niederdorf, nur wenige Straßen weiter, residierte ein gewisser Wladimir Iljitsch Ulianow. Vor gut 91 Jahren. Die große Zürcher Zeitung hatte schon ihren Sitz am Bellevue. Ulianow ging vorbei an den Schaufenstern des Oberdorfs, vermutlich, um die Nachricht vom Aufstand gegen den Zaren zu lesen. Ein Pflasterstein in der Oberdorfstrasse hätte ihm ein Bein stellen können, um die Revolution zu verhindern. Auch gruselig.
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Bär im Berg. Im Matterhorn. Das Wappentier der Stadt versteckt von stolzen Bernern. Auf dem hundertjährigen Schokoladenriegel. Glückwunsch dazu auch. Glückwunsch auch, das runde Jubiläum so im Geheimen zu feiern. Du erste Assoziation mit schweizerischer Schokolade, auf Schweizerdeutsch Schoggi. Die Schoggi stammt noch immer aus Bern, lese ich. Die Franken und Euro werden verschifft, zu trotteligen Nordamerikanern. Die nicht einmal einen runden Geburtstag gescheit feiern können. Schoggiliebhabern eine neue Sorte schenken, zum Beispiel. Die gibt’s erst im neuen Jahr. Dann zum vierzigsten Geburtstag der schwarzen Zartbitterschoggi.
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Zeigetaschen auch genannt. Bin beeindruckt. War sicher, in München dutzende Taschen in der Schublade zu haben. Aus ruhigen Studienzeiten, während den jeder kopierte Artikel eine eigene Tasche bekam. Jeder Artikel über die schlimme Borderline-Persönlichkeitsstörung auch. Gibt freilich auch lange Artikel, auch größere Zeigebuchtaschen. Für komplette Buchkapitel. Gruselige Bücher erbt die Universitätsbibliothek Jena, wäre fast die größte Buchsammlung geworden. Aber der Bestand ist zu klein. In Jena. Noch. Mein Bestand an Zeigebuchtaschen war gleich Null. Deshalb interessierte ich mich dafür, mit Lasche und volldeckend. Sind sogar preiswert in der Schweiz. Wenn man weiß, wie die heißen, auf Schweizerdeutsch. Prospekthüllen auf Hochdeutsch.
Bleistiftspitzen heißen auch auf Schweizerdeutsch Bleistiftspitzen. Die gibt’s nämlich gar nicht in Zürich. Bin beeindruckt. Importierte drei schwarz aus München, wurde freilich dafür ausgelacht. Bleistiftspitzen gingen ja gar nicht, hörte ich. Finde schon. Schreibe lieber mit Blei statt andauernd die in der Tasche abgebrochenen Stiftmienen neu anzuspitzen. Ohne einen Bleistiftspitzer in der Tasche, zumal. Wohl dem, der eine Bleistiftspitze zur Hand hat. Die gibt’s schick aus Metall und praktisch aus Gummi. Radiergummi immer dabei, quasi. Wer zu viel ausradiert, dem fehlen schlimmstenfalls aber die Worte. Fast wie im Leben. Mit dem Tram fuhr ich heute zum Südpol und kehrte nicht zurück. Lebend.
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Der erste Griff in die Hosentasche nach der Landung: Das Handy vor die Augen gehalten um festzustellen: es ist aus. Oha. Soll freilich abgeschaltet sein, im Flieger, während des Fluges. Nicht in der Bahn, trotzdem greift jeder Reisende an seinem Ziel wie ferngesteuert, mechanisch fast, zu seinem Handy. Sieht die Nachricht über den verpassten Anruf, die eingetroffene SMS. Oder eben, dass keiner anrief, keiner eine Nachricht schickte. Zumindest die Gewissensberuhigung, nicht verpasst zu haben. Nur die Uhrzeit ablesen. Am Hauptbahnhof München, Zürich auch. Dort stehen große Mobilfunkmasten.
In Hamburg auch. Am Flughafen Fuhlsbüttel. Statt in den Fliegern Chris Rea sein “Driving Home for Christmas” säuseln zu lassen, könnten die Passagiere mit den Startmelodien ihrer Handys einen Chor anstimmen. In Zürich, himmlische Generalprobe. In der Business Class sitzen die Vorsinger, die Economy Class stimmt Reihe für Reihe ein. Freilich klappt das nicht ohne den Master of Ceremonies. Den MC gibt’s selbstredend gar nicht, also übertönen Werbemelodien des deutschen Ex-Telefonmonopolisten aus circa 30 Handylautsprechern den Reisenden Chris Rea. Säuselnden auch.
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Was ist mit dem Krokodil? Fragte die Künstlerin, als ich vom werbefreien Blog sprach. Werbefrei ist er ja gar nicht, schreibe immerhin über die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Damit ist freilich gar nicht das krisengeschüttelte Geldinstitut gemeint. Nur die dänische Modemarke, die in den vergangenen Jahren das gleiche Logo nutzte. Auf meinen Jacken, Strickwaren, Hemden, Polos, Socken. Hier im Norden kennt die jeder, die schönen Sachen von der Deutschen Bank. Halten auch ewig. Mittlerweile ist das Logo wieder rot und grün. Die Klamotten wieder dunkelblau, maritim. Aber die Kunden wollten keine Reklame laufen, für die Deutsche Bank. Die Filialen in Koblenz, München, Nürnberg, Schleswig geschlossen. In Kappeln gibt’s noch eine, dort verkaufen sie beige Polos. “Soll es unbedingt die Deutsche Bank sein?”, fragte die Verkäuferin. “Nicht soll, muss.” In Zürich gibt’s die gar nicht.
In Zürich freilich verkauft wird Jenaer Glas. Zu meinem Glück. Ja, Frau Künstlerin, schon wieder Werbung. Dafür gern, sehr sogar. Das patentierte für den Herd. Ist wie die Deutsche Bank: Heute auch nicht mehr das, was es einmal war. Geblieben ist die Wagenfeld-Serie. Auch wenn der Geschenkideenausdenker sie tatsächlich nicht bewerben konnte. Längst nicht mehr produziert wird die kleine Schüssel aus Jenaer Glas. Daraus aß ich Brei.
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Aus dem plaudert man ja, manchmal gern, auch. Gewährt einen Einblick in Dinge, die anderen sonst nicht zugänglich sind. Lese ich in einem Geschenk. Der Geschenkideenausdenker versagte zuletzt, gleich mehrmals. Hat die besten Geschenkideen spontan. Manche Menschen machen es ihm auch leicht, einige verstecken sich auf dem Blog. Verstecke ich auf dem Blog, auch. Sie kennen ihre Verstecke. Ich auch. Wünschte mir manchmal, sie wären so einfach zu finden. Die Menschen. Wie Geschenkideen.
Eine der besten Geschenkideen des Geschenkideenausdenkers geht so: 20 Überraschungseier essen, den Inhalt jeweils in einen Luftballon stopfen. Eine Porzellanbrosche in eine Kunststoffkugel legen, diese ebenfalls in einen Luftballon stopfen. Dann 21 Ballons aufblasen, verknoten. Freilich darf nicht zu viel Luft in die Ballons, sonst passen sie nämlich nicht mehr in einen Monitorkarton. In Packpapier eingeschlagenen Monitorkarton, wohl gemerkt, soll schließlich ein Geschenk werden. Wohl dem, auch, der einen großen Röhrenmonitor besitzt, zumindest den Karton dazu. Besitzer eines Flachbildschirms haben freilich ein Problem, auch wenn sie gut in kleineren Wohnungen leben können. In doofe Flachbildschirmkartons passen niemals 21 Luftballons. Den großen, luftgefüllten Karton schließt ein breites Stoffband mit roter Schleife. Oder blauer, oder grüner. Lila ist wohl derzeit Mode. War’s vor circa 15 Jahren nicht, so alt ist die Geschenkidee.
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Jedes Jahr das gleiche Drama? Nein, heuer erstmals. Ein schöner Christbaumständer in der guten Stube. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik. Hui. Ein Niederbayer hat ein Patent darauf, er verspricht: Christbäume stehen immer gerade, egal, wie schief sie gewachsen sind. Mit Rundum-Ein-Seil-Technik sind Bäume im Wasser, würde der Restaurator sagen. In München sah ein Auge einen kleinen, schönen Christbaum. Der stand schief. Im Wasser. Trotz patentierter Rundum-Ein-Seil-Technik. Glanz in fünf Augen im Antlitz des Baums, kleinen, großartigen, irgendwie tatsächlich, auch.
Jedes Jahr das gleiche Drama? Ja. Nach guter, alter Sitte. Christbaum mit drei Schrauben befestigt. Im Christbaumständer. Befestigt vom Christbaumverkäufer am Vormittag des Heiligen Abends. Auf dem Schleswiger Wochenmarkt. Der große Baum für die ganze Familie. Die Kinder wünschen sich seit Jahren einen kleinen Baum, im Topf, auspflanzbar im neuen Jahr. Gekauft wird ein großer, gefällter, die Christbaumständermontage gibt’s gratis dazu. Auch heuer wieder. Freilich schief, Rundum-Ein-Seil-Technik fehlt, Wasser auch. Christbaumständer mit dem Marktführer Nordmanntanne kippen erst bei mehr als fünf Grad. Lese ich. Bäume von dänischen Plantagen, auch. Viel Lesestoff unter dem Baum. Lesen gefährdet die Dummheit, warnt der nette S. Fischer Verlag. Verleger des heuer schönsten Geschenks für ein Auge. Fünf Augen glänzen im Antlitz des Baums. Großen, dramatischen, wie jedes Jahr.
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Ist gar kein Dänisch. Deutsch und Dänisch, fast willkürlich zusammengesetzt. Dem Dänen sträubt sich jedes Haar vermutlich, jeder Deutsche liest das Wort dreimal. Wie geschriebenes Schweizerdeutsch. Der schweizerische und der britische Bruder bereisten Kruså für den Ølvæksel. Der Restaurator und der Butterkutter-Man nicht dabei. Leider. Leider macht auch Rita keinen Ølvæksel mehr, irgendwie tatsächlich. Die læckersten Hot Dogs gibt’s trotzdem hinter der Grænse. In einer Hot-Dog-Bude, neben Tankstelle und Supermarkt, voller dänischer Læckereien. Remoulade, roten, vermutlich rein chemischen Pølser auch für Vegetarier und freilich Øl. Juløl auch, passend zur Jahreszeit. Den Ølvæksel gibt’s seit vielleicht sieben Jahren, den Ausflug nach Dänemark, Hot Dogs essen, ein Øl trinken. Ein Øl freilich, einer muss schließlich zurück fahren. Über die Grænse, ins heimatliche Schleswig. Zu Weihnachten, immer. Schöne Weihnachten, Euch Lesern.
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Sind die Einkaufsflächen am Hamburger Flughafen. Übersetzt ins Englische heißt das übrigens Shopping. Schreiben die Flughafenbetreiber auf dem Gebäudeplan. Danke dafür, auch.
Vor circa zehn Monaten landete ich schon einmal dort, wartete auf den Flieger aus London. Die Eröffnung des Terminals 5 mündete in eintägiger Verspätung. Dafür Respekt, krassen, ihr britischen Luftwege. Der Flieger aus München war überpünktlich, hatte viel Zeit, die Shoppen-Areale anzugucken. Beim Blick ins Regal bot sich freilich ein großartiges Bild: PCpro, schön rot. Tief im bunten Blätterwald. Marktschreienden. Begann fast ein Jahr vor dem Foto mit dem Schreiben. Der letzten PCpro. Nach mehr als anderthalb Jahren fehlt sie nun, leider. Nur noch Schreie im Regal. Bunte, neonfarbene. Sonderfarben kosten viel, Mut noch mehr.
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Kennt nicht jemand einen Arzt, der mich von der Einberufung zur WK befreit? Spaßte der Bannerschubser in der nun rauchfreien Kaffeeküche. Meine Lektion Schweizerdeutsch für heute: WK ist die Abkürzung für Wiederholungskurs – in Deutschland vergleichbar mit der Reserveübung. Mich irritierte freilich, dass WK wie Weka ausgesprochen wird. Eingezogen von Weka. Oha. Wohl dem, der sich im Ausland aufhält. Indes: Es müssen schon mehr als zwölf Monate Auslandsaufenthalt sein. Dann braucht’s ein Gesuch beim Kreiskommando, dem das Dienstbüchlein beizulegen ist. Um die Einberufung zur WK zu verhindern. Oder war es Weka?
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Aber wie die leere Muschel dröhnt vom Tosen des Meeres, so rauscht innen unhörbar Musik, fremder und herrlicher, als er sie jemals vernommen.
Schreibt Stefan Zweig über Georg Friedrich Händels Auferstehung in “Sternstunden der Menschheit”. Herrlich. Einfach herrlich. Herrlich kann man nicht steigern, auch wenn der Duden das anders sieht, Stefan Zweig es hier steigert. Braucht man nicht steigern. Herrlich ist herrlich. Ein Wort wie ein warmer Sommerregen, der sanft vom Unterarm perlt, wie Wandern durch nebelverhangene Gassen, kühle Nässe auf den Wangen, wie salzige Luft, die die Nase umschmeichelt, der Sand unter jedem Schritt nachgebend. Dafür muss man reisen, warten. Auf die Jahreszeit, das Wetter, den Wind. Oder lesen.
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Wie säubere ich schöne Riemenböden? Schonend, fachmännisch? Waren meine Fragen an den Restaurator. Mit Neutralseife und einer Wurzelbürste. Sanft schrubben, hinterher wachsen. Das Wachs steht schon in Zürich, Neutralseife gibt’s dort auch, aber wo eine Wurzelbürste? “Es gibt sie noch, die guten Dinge.” Dort gibt’s freilich Wurzelbürsten, auch. Den Laden gibt’s auch in Zürich. Aber virtuell, vielleicht sind Wurzelbürsten aus. Also importiere ich eine Bürste aus München. Schwarz, freilich. Schengen gilt nur für den Ausländerausweisinhaber. Wurzelbürsten muss er verzollen, die haben ja keinen Ausweis. Aber sie freut sich schon darauf, schöne Schweizer Riemenböden vom Schmutz zu befreien. Schmutz der Jahrzehnte, Holzklebefolienreste auch. Dringend. Grusel.
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Wohl dem, der eine Flasche hochprozentigen Alkohol im Haus hat. Zum Säubern, Entrosten und Ablösen von doofen Etiketten. Preisschildkleber sind freilich die natürlichen Feinde des Geschenkideenausdenkers. Auf die schönen Geschenke kleben sie Preisschilder, die der Ideenhaber mühsam wieder ablösen muss. Gebrochene Etiketten vielleicht noch, damit kein lustiger Käufer die Preisschilder vertauscht, nur weil ihm der Preis zu hoch ist. Oder Etiketten mit Chip, der hinterlistige Schurken am Diebstahl hindert. Geht doch so einfach: Der Strichcode verrät den Kassierern den Preis, dem Beschenkten bleibt er verborgen. Der Geschenkideenausdenker ist froh, er hat Zeit, an neue Geschenkideen zu denken und muss nicht doof Etiketten ablösen. Außerdem ist der Preis ja gleich, mag er ja nur mit seiner Geschenkidee einem Menschen eine Freude machen. Gibt nicht viel Schöneres.
Freilich hat der Gedenkideenausdenker ja auch mal eine schöne Geschenkidee für sich. Eine Idee heute war nicht mal verpackt, trug freilich kein Preisschild. Etiketten kleben nie auf den Geschenkideen anderer Menschen. Über die freut er sich, auch, sehr. Auch das Treppensteigen in den elften Stock kann ein Geschenk sein, tatsächlich. Ein ungetragenes weißes Hemd auch, plus Buch. Muss ja nicht ein Bestseller sein. Gruselig genug, wer etikettieren muss, dass sein Buch ein Bestseller ist. Trottelige Schweizer Bücherhändler bekleben jedes schöne Buch mit einem Preisschild. Handeln freilich gar nicht, der Preis ist fix. In Zürich immer höher als in München, sei das Buch noch so schön. In München gibt’s dafür ganz gruselige Regale, ohne das Paradies unter Z.
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